Monday, 25 September 2023

Probebühne (Topo)

Anreise:

Koordinaten Parkplatz (Straßenrand): 47.11021, 15.18933



Zustieg:

Vom Parkplatz über die Straße und quer hinauf über die Wiese bis an den Waldrand. Diesem nach Süden folgen und wo die Wiese etwas nach rechts hinten versetzt ist, setzt ein ansteigender Forstweg an, der in den Wald führt. Diesem einige Minuten bergauf folgen und wo er abflacht wird in selber Richtung wie bisher auf einem kleineren Steig weiter (darüber rechts eine Wiese mit einem Hof), einen Schlag (kleine Strom-/Telefonleitung) überquerend und bereits einige Meter danach (20-30m) halblinks auf einem Steig im Wald bergab bis er von einem Stacheldraht gesperrt wird. Diesen rechts oder links umgehen und nochmals weiter bergab. Schließlich etwas flacher auf wieder breiterem Weg weiter bis an eine Art Wegkreuzung. Hier rechts bergauf abbiegen und oberhalb sieht man bereits die efeubehangene Wand = Hauptspot).
Um zum Spot II zu gelangen bereits etwa 50m vor Umgehung des Stacheldrahtes, links auf schwächeren Steigspuren leicht bergab und bevor diese von umgefallenen Bäumen versperrt werden rechts weglos und steil für ungefähr 20-30m bergab auf ein kleines Steiglein, welches nach rechts leitend durch den Wandbereich und dann unter diesem auf einem erdigen Band zum Spot leitet (--> vgl auch Karte unterhalb).


Topo:













Thursday, 30 December 2021

Jahresrückblick 2021

Ein Rückblick auf das Jahr 2021 in Zahlen:

Spot-Frequenz (Klettertage):





Durchstiege:






Erstbegehungen:




War ein wirklich geniales Jahr!
Es ist ordentlich etwas weitergegangen. Ich konnte endlich meine erste 7a on sight klettern, was wirklich längst überfällig war, was man auch daran merkte, dass ich letztlich vorher sogar noch meinen ersten 7a-Boulder flashen konnte. 😅
Auch was Erschließungen angeht war 2021 wieder sehr erfolgreich und erfüllend. Konnte 2 lässige neue Boulderspots finden und auch gleich erste Begehungen machen. Weitere Projekte warten dort schon auf ihre Durchstiege...

Während der Erstbegehung von Dabchat, 7b+ in den Niederen Tauern


Fast wichtiger ist aber: Ich konnte ein paar "Altlasten" abhaken. Die Projekte gehen mir aber sicherlich in den nächsten Jahren trotzdem nicht aus. 😁
Be prepared!

In diesem Sinne wünsch ich euch ein guten Rutsch ins neue Jahr und bin schon gespannt was 2022 so bereit hält! 📈💪              

Monday, 17 May 2021

Abwerten - ein Trend?

Ein Thema, welches mich schon länger reizt und nun für mich persönlich in jüngster Zeit wieder sehr aktuell wurde, betrifft den in den letzten Jahren einsetzenden Trend Routen abzuwerten, weil man Kneepads verwendet. Wobei, eigentlich geht es um zwei separate und doch irgendwie zusammenhängende Trends; einerseits einen - wie ich meine - GBL-spezifischen (1) und andererseits eben um diesen neuen generellen (2).

ad 1) Die Kletterer und ihre Ethik - eine never-ending story! Ich versuche dennoch eine Näherung an dieses heikle Thema.

Schwierigkeitsgrade sind immer etwas relatives und letztlich nur ein Richtwert. Für den einen kann eine 8a+ durchaus schwerer sein als eine andere 8b und umgekehrt, je nachdem wo seine Fähigkeiten udgl. liegen, aber selbst bei ähnlichem Stil etc. kann das passieren, wenn z.B. die Tritte für eine gewisse Körpergröße weniger passend sind usw. und so fort.

Von da her macht es ja eigentlich gar keinen Sinn sich über die Gradgebung aufzuregen, oder?
Nun, ich meine doch! Zumindest teilweise, denn was mich stört ist weniger die Abwertung einer Route an sich, sondern die Unlogik die oftmals dahinter steht. Meine Ärger richtet sich nämlich eher darauf, dass Leute den Grad der einen Route nicht akzeptieren wollen, den einer anderen aber doch. Häh?! Warum sollte das auch nicht so sein, fragt ihr euch? Die Formulierung war zugegebenermaßen etwas zu abstrakt für ein viel zu spezielles Thema, daher besser mit Beispielen:

Person X klettert in einem bekannten GBL-Gebiet Route Y die prinzipiell mit Bewertung 8a+/b veranschlagt ist, vielleicht weil sich der Erstbegeher nicht festlegen wollte (nicht sicher war), oder weil er meinte, dass es schwerer als 8a+ ist, für eine reine 8b aber doch nicht reicht. Ok soweit.
Nun gibt es aber auch noch Routen A, B, C und D im Gebiet, die alle ebenfalls eine solche Zwischenbewertung aufweisen. Grundsätzlich sei festgehalten, dass das Gebiet, so man den oberen Grad heranzieht -  bei 7c+/8a also z.B. 8a - eher leicht bewertet ist, soweit der Konsens. Verglichen mit anderen Spots und Klettergebieten ist eine 8a hier also einfacher zu haben als anderswo. 

Nun verstehe ich vollkommen, wenn man meint, dass es für den oberen Grad nicht reicht und man deswegen, bzw. im Zweifelsfall, den niedrigeren Grad vergibt.

Was mich aber stört ist, wenn man nach unten tritt, den harten Hund raushängen lässt, "soft" schreibt und "not 8a" und sich ordentlich dafür feiern lässt und dann bei der nächsten Route, die ebenso zwischen den Graden hängt und sich sogar an seinem persönlichen Leistungslimit befindet (und bestenfalls noch die erste in diesem Grad wäre), den vollen Grad gibt und sich wiederum hart dafür feiern lässt. Das ist unlogisch! Und genau das ist was mich stört, diese - ich nenn es mal "8a.nu-Anflegelei", weil dieses Phänomen zwar nicht nur, aber v.a. auf eben jener Plattform zu beobachten ist. Wobei eines sei schon auch noch gesagt. Das ganze "soft-hard" Bewerten ist meiner Meinung ziemlich fürn Hugo, weil Grade - wie gesagt - etwas relatives sind und wenn ich mir nicht sicher bin, dann geb ich halt den sicheren, sprich niedrigeren Grad. Gibt halt weniger Punkte auf 8a.nu, tja! Und wenn's mir leicht vorkommt für 8a, aber halt doch wie eine 8a erscheint, dann geb ich - na, wer kann's erraten? - .....8a, genau! Das ganze "soft" und "hard" Geschreibe ist äußerst entbehrlich, aber wie gesagt, nur meine persönliche Meinung.

Das leitet uns über zu Thema Nr. 2:

ad 2) Abwertungen dank/aufgrund Kneepads:

Ich geb zu, kein einfaches Thema und ehrlich gesagt bin ich selbst noch zu keiner endgültigen Lösung (für mich) gekommen.

Auf den ersten Blick erscheint es ja durchaus nachvollziehbar eine Route abzuwerten, wenn man eine neue Lösung findet, sprich einen Kneebar setzen kann, der in die ursprüngliche Bewertung nicht eingepreist war. Aber kann man es sich wirklich so einfach machen? Die Quintessenz liegt meiner Meinung in der Frage, ob man jegliche bessere Lösung als gradrelevant erachtet oder jene ausspart die auf den - ich nenn es mal - technischen Fortschritt zurückzuführen sind.

Klar ist, wenn Typ A (Erstbegeher) eine schlechte Beta hatte und dann Typ B kommt und den Henkel verwendet, den Typ A übersehen hatte, wird das den Grad der Route ändern. Wie sieht es aber aus, wenn Typ A die neue Lösung gar nicht machen konnte, z.B. weil seinerzeit seine vergleichsweis weit geschnittenen Hanfsohlen-Kletterpatscherl halt vielleicht doch nicht das optimale Schuhwerk für den high-precision Heelhoook am kleinen Naserl waren? Natürlich ist das (bewusst) überspitzt, der Kern meiner Botschaft sollte aber klar sein.

Wo stünden wir heute ohne Karabiner, Vibram-Sohle, moderne Kletterseile, Bolts, Magnesium etc., etc.? Vielleicht würden wir Ondra dafür bejubeln dass er die neueste und bisher sicherlich härteste VI+ geklettert wäre. Oder war das gar schon VII-? Niemals! 

Andererseits ist es aber eben auch nicht so klar, wie oben angespielt, denn ein Kneepad bringt ja nicht überall etwas. In der senkrechten Mikroleisten-Route wird man eher verzweifelt sein Kneepad aufziehen und spätestens beim nächsten Versuch wieder ohne dieses anrücken und auch nicht in jeder Überhang-Route wird man es gewinnbringend einsetzen können.
Richtig komplex wird es letztlich dort, wo auch schon bisher Kneebars verwendet wurden, weil z.B. nicht schmerzhaft or whatever. Und wie geht man überhaupt mit Neurouten um? Diese kommen einem ja nun deutlich leichter vor als eine Vergleichsroute, wo kein Kneebar verwendet werden kann.

Wie gesagt, die Thematik ist komplex und eine 100% richtige Antwort gibt es wohl nicht. In der "offiziellen" Berichterstattung (gemeint sind Klettermedien mit großer Reichweite wie bspw. wiederum 8a.nu), aber auch den Kommentaren von Profikletterern, wird meiner Meinung aber derzeit etwas zu einseitig vorgegangen, als ob es eben doch eine ganz klare Antwort gebe, die da heißt, abwerten!

Man kann es eben so sehen, dass man mit besserer Ausrüstung besser klettert oder aber dass bessere Ausrüstung die Klettereien an sich leichter macht. Das sind zwei verschiedene Zugänge, beide haben ihr Für und Wider.

Vielleicht ist vor allem in Hinblick auf Neurouten die Abwertungsmethode die einfachere. Ob es auch die "richtigere" ist, sei dahingestellt. Man sollte die beiden Varianten aber auf alle Fälle im Hinterkopf behalten.


Den Post hatte ich im Übrigen schon letztes Jahr ausgearbeitet, dann aber nie veröffentlicht. Mit "Weil ich hart bin", einer Neuroute von mir an der Folterkammer, hatte sich nun aber ein akuter Anlassfall ergeben. Ich hatte diese zunächst mit 8a+ bewertet, da ich auch mit meiner ausgearbeiteten Lösung doch noch einige Versuche gebraucht hatte. Davor war ich von einer Bewertung in der 8a/+ Gegend ausgegangen.

Als der erste Wiederholer die Route sehr schnell klettern konnte, war das für mich noch wenig aussagekräftig, da dieser einen enormen Zuwachs in den letzten beiden Jahren hatte. Interessant war zwar, dass er die - für mich - schwierigste Einzelpassage gänzlich anders und viel smoother auflöste, für die rp-Crux hatte er aber meine Beta komplett übernommen und das war für mich zunächst das Ausschlaggebende. Als dann auch Wiederholer 2 die Route sehr schnell abhaken konnte (wobei ebenfalls sehr stark), war für mich klar, dass auch schlichtweg meine Lösung im unteren Teil suboptimal gewesen sein musste. Ich hätte den untere Teil separat als 7a+  Boulder bewertet (8 Züge), dann kommt ein Clipper und danach die eigentliche rp-Crux wiederum separat ca. ein 7a-Boulder (4 Züge). Gesamt hätte ich den ~15 Züge-Boulder bis zum Rettungshenkel zunächst als 7b+ fb eingeschätzt. Aus besagtem Betafail wertete ich dann aber auf 8a ab, was ja auch mit oben dargelegter Theorie übereinstimmt, dass eine bessere Lösung ggf. auch eine andere (niedrigere) Bewertung nach sich ziehen muss.

Nun bewerteten aber alle Wiederholer mit 7c+ und das deshalb, weil man in der Route mit Kneepad einen sehr guten Knieklemmer legen kann, der die Schlüsselstelle entschärft bzw. vor dieser auch einen kurzen Raster erlaubt. Wie gesagt, ich verstehe die Abwertung schon, wenn man die Logik vertritt, dass durch Kneepads Routen leichter werden. Ich wollte halt nur einmal festhalten, wie ich zu meiner Bewertung kam und wieso ich auch weiterhin 8a als angemessenen Grad empfinde, eben schlicht deshalb, weil ich meine dass ein Kneepad nicht die Route leichter macht, sondern dass man mit Kneepad einfach besser (härter) klettern kann. Dazu sagen muss ich auch, dass auch ich selbst in guter Form war und bin und zum Zeitpunkt der Erstbegehung mehrere Boulder im 7a-7b Bereich im Quick-Ascent-Style mitnehmen konnte, wobei "Weil ich hart bin" eben ziemlich eine Boulderroute ist, weswegen ich hier bei den Schwierigkeiten auch gänzlich in der fb-Skala dachte. Also ganz aus der Luft gegriffen war der Bewertungsvorschlag jetzt auch nicht. Außerdem hatte auch ich selbst eine Art Kneepad verwendet. Dieses diente aber im Gegensatz zu den "modernen" Kneepads mit Rubber lediglich der Schmerzreduktion und hat weniger Reibung als z.B. Haut (mein Kneepad ist eigentlich nur ein Volleyball-Knieschutz/-stütze). Nichtsdestotrotz, auch das muss hier natürlich Erwähnung finden, um meine Bewertung besser einordnen zu können.

Wobei ich dennoch auf weitere Wiederholer gespannt bin, denn die bisherigen zähle ich alle zur "Abwert-Gang". Und bitte nicht falsch verstehen: Der Ausdruck ist nicht böse gemeint, sind alles Freunde von mir und ich hoffe sie verzeihen mir, falls sie das mal lesen :-P
Aber ein gewisser Ruf haftet euch diesbezüglich an ;)

Aber im Endeffekt sei das wirklich Wichtige hervorgehoben:
Die Route ist saugeil und macht Spaß zu klettern! Das hat bisher noch jeder gesagt, der eingestiegen ist und das ist letztlich auch viel cooler als zu "wissen" ob es nun eine 8a oder doch nur eine 7c+ ist!




Wednesday, 10 March 2021

Baisse

An den Börsen lief das Jahr 2020 besser als gedacht. Auch eine Pandemie konnte hier die Kurszuwächse nicht stoppen.

Anders sah es in meinem Kletterleben aus:
Nach meinem genialen Bouldersaisonabschluss, bei dem ich meine erste 7c knacken konnte, fand ich in die Seilsaison nicht so richtig hinein und musste schließlich mit meiner Fußverletzung im Sommer das Klettern gänzlich pausieren.
So lag meine Hoffnung am Herbst, aber auch wenn ich eigentlich sehr stark aus meiner Verletzungspause zurückkam, so wollte mir trotzdem kein Durchstieg gelingen. Auch beim Bouldern stellten sich zu diesem Zeitpunkt keine weiteren größeren Erfolge mehr ein. Zwar konnte ich mit "Incognito", 7b  noch einen coolen Boulder an der Probebühne erstbegehen, an meinen 7c-Erfolg des Frühjahrs konnte ich damit dennoch nicht anschließen. Hier das Video von meinem Durchstieg der Kurzvariante davon - "Incognito light":


Trotzdem verlief das Bouldern immer noch besser als die Seilsaison; 2020 war nämlich tatsächlich ein Totalausfall und die erste Saison überhaupt (exkl. Verletzungspause 2016/17), in der ich kein einziges Projekt durchsteigen konnte.
Zwar war ich bei meinem Folterkammer-Projekt "...Weil ich hart bin", 8a+ sehr knapp dran, da ich 1 1/2 Züge vor dem Rettungshenkel abging, aber davon kann ich mir jetzt auch nix kaufen. Was blieb war letztlich 7b+ als Höchstleistung, im Vergleich zu 8a+/b im Vorjahr...das war schon hart!
Im Prinzip war ich in jedem Jahr seit Beginn meiner Sportkletterkarriere im Jahr 2011, zumindest gleich hart geklettert gewesen (außer 2011, wo ich erst im Sommer begonnen hatte).

So lag nun meine Hoffnung auf der vor der Türe stehenden Bouldersaison. Wie gesagt, fit war ich ja!
Schnell konnte ich mir "Das Gelbe vom Ei", 7c an der Leopoldinengrotte durchstiegsreif auschecken und schon am 2. Tag hatte ich echt gute Versuche (im Video der beste Versuch des 3. Tages).



Aber es kam mal wieder anders. Nach einer stetigen Steigerung, die mich am Tag 4 bis auf den Topgriff brachte, allerdings fiel ich beim matchen, wurde es nass. Sehr nass!
Bald war an klettern nicht mehr zu denken. Ständig schneite es und so hörte es nicht mehr auf zu feuchteln. Einzig die Probebühne war in dieser Zeit noch ein letzter Rettungsanker, wo ich an einem kalten Tag zumindest noch mein zweites Projekterl namens "Kellerkind", 7b (eine Anspielung auf das Trainingsleben in meinem Keller im Sommer, als ich mit meinem Fuß nirgends hinkonnte) abknipsen konnte.


Das war's dann aber, denn etwas zeitversetzt wurde es nun auch hier im linken Bereich, wo mein letztes Probebühnen-Projekt ("Gucci Flip Flops" 7c+/8a --> siehe Video unten) schlummert, nass.


So ging das bis vor kurzem und neben zwei kurzen Zwischenprojekten, die mich allerdings nicht wirklich fesseln konnten, war nichts erwähnenswertes dabei.

Erst Ende Februar - endlich wurde nun wieder alles trocken - dies ging fast schlagartig von einer Woche auf die andere! - fand ich ein neues Projekt für mich, das mir die nötige Motivation gibt und mich vielleicht noch vor einem weiteren Totalausfall - auch der Bouldersaision 2020/21 - bewahrt.

Hierzu bin ich an den Kanal-Block zurückgekehrt, um "meine" Traverse zu probieren. Das "Zweieck", wie ich sie getauft habe, wird aber hart (~8a). Wohl zu hart für die nächsten Wochen und so liegt mein Augenmerk nun auf zwei verkürzten Fassungen dieses Boulders.
Das erste Ziel stellt dabei "Short it!", 7b+/c dar, wobei man nach ungefähr einem Drittel der Traverse einsteigt (bei "Gurtlos", 6c+) und dann über "Ärzte sind schockiert", 6c+/7a austoppt (siehe Video unten).


Das zweite Ziel wäre sodann die beiden letzten beiden Drittel der Traverse zu durchsteigen ("Ballanation", ~7c+).
Beide Boulder sind richtig coole Teile! Außerdem will ich auch noch "Das Gelbe vom Ei", 7c nachholen. Kann ja nicht sein, dass ich am Matchen scheitere!

Tja, und in der gerade beginnenden Seilsaison werden die Karten eh wieder neu gemischt, bzw eigentlich hab ich das Blatt schon auf der Hand und es sieht gut aus! Kann ja nicht sein, dass man mit guten Karten ganze drei Runden hintereinander vergeigt!


Nachtrag 15.3.:

Zumindest die Bouldersaison ist nun einmal vor dem Totalausfall bewahrt :)
Heute ist mir unerwartet der Durchstieg von "Das Gelbe vom Ei", 7c (Leopoldinengrotte) gelungen. Wollte eigentlich nur wieder die Moves auschecken, aber hatte eine super Spannung heute!
Anbei das Video vom Durchstieg:



Saturday, 19 September 2020

Decision time, 7b+ (Zigeunerloch)

Leute, es gibt wieder eine neue Route im Zigeunerloch! Decision Time, 7b+ :)




Schon vor ein paar Jahren dachte ich mir einmal, dass man mit 1-2 Bolts eigentlich eine kleine feine Kombination aus dem Baron-Einstieg hinüber zu Stalker machen könnte.
Als ich mir das Ganze dann letztes Jahr noch einmal ein bisschen genauer angesehen habe, stellte ich bald fest, dass da wohl mehr als eine bloße Kombi drinnen wäre und so war der neue Gedanke eine Variante zu Stalker zu machen, mit eigenständigem Einstieg, um dann wohl zwischen 3. und 4. (bzw. beim 4. Bolt) hinüberzuwechseln.
Richtig ins Rollen gebracht hat die Erschließung letztendlich, dass sich ein Freund den Baron-Einstieg (7b) auscheckte und ich in diesen daher auch mal wieder einstieg. Beim Ablassen erkannte ich, dass auch in der oberen Wand zwischen Baron und Stalker eigentlich ganz gute Leisten waren und so wollte ich mir dann unbedingt mal die unteren Moves auschecken, die ich ja bereits für die Stalker-Variante hätte klettern müssen.
Beim Einstieg vom Bankerl ging es gleich ordentlich zur Sache. Zwar konnte ich die Anfangssequenz nicht aufschlüsseln, dafür waren aber die Meter danach ganz gut kletterbar und oben hatte ich ja nicht so schlechte Leisten gesehen. Fazit: das ist möglich und könnte sogar eine vollkommen eigenständige Linie werden!

Angekommen im Jahr 2020 galt es nun die Anfangsstelle zu entschlüsseln. Wie gut es da doch passte, dass besagter Freund den Baron-Einstieg im letzten Jahr noch nicht gepunktet hatte, denn so bot sich erneut eine Tope-Rope Gelegenheit.
Und diesmal sah alles schon deutlich besser aus. Die kleine Traverse zum großen Griff rechts (=Anfangssequenz) ging problemlos mit einem ziemlich nicen Überkreuzer auf eine recht offene Zange. Die Verlinkung hinauf zu den guten Leisten schaffte ich in der nächsten Session, nachdem ich zuvor die Bolts gesetzt hatte.
Das war wieder eine Schinderei! Aber es hatte sich gelohnt, denn auch wenn an diesem Tag an keine Durchstiegsversuche mehr zu denken war, blieb nun als letztes, kleines Fragezeichen nur noch der Ausstieg. Sollte es leichter und damit logischer sein über Stalker auszusteigen, würde ich für die letzten Moves in diese hinüberwechseln.

Beim letzten Bolt angekommen probierte ich zunächst auch genau diesen Wechsel, doch wollte es nicht so recht funktionieren. Den Schultergriff nach den beiden Kreuzern in Stalker konnte ich nicht richtig belasten und so begann ich meine ersten Versuche gerade hinauf und siehe da: schon war ich zwei Moves höher und diese Züge waren auch gar nicht so schwer gewesen.
Nun wurde es aber nochmal haarig und so versuchte ich erneut mein Glück hinüber zu den Stalker-Griffen. Diesmal mit dem Aufleger unter dem Top-Henkel.
Aber auch das wollte hinhauen. Ich konnte diesen zwar halten, aber es war erstens ein ziemlich brutaler Dyno, zweitens tat die Endposition weh in der Schulter und drittens war ich dann ein wenig gesperrt.
Also wieder direkt hinauf? Seh ich da nicht ein gutes Seit-Fingerloch?

Nun, auch dieser Zug wurde ein Dyno, aber doch etwas leichter und das besagte Fingerloch, war eine kleine aber feine Zange. Von dieser weg war es noch ein nicht allzu schwerer Zug auf einen super Seitgriff für links (Schultergriff für rechts im Baron-Einstieg), welchen ich letztlich als Top-Griff auserkoren habe, bzw kann man theoretisch auch noch mit rechts auf den Stalker Top-Henkel greifen und von diesem clippen. Ist gehupft wie gesprungen!

Nun konnten die Versuche beginnen und nachdem ich alles geputzt und die Beta verfeinert hatte liefen diese auch immer besser. Ganz oben hat es mich aber noch ein paar mal "kassiert". Der zuvor beschriebene Dyno auf die kleine, feine Zange ist von unten kommend gar nicht so ohne. Eine bessere Lösung konnte ich allerdings nicht finden. Mal sehen ob die Wiederholer da noch etwas aus dem Ärmel zaubern!

Auf alle Fälle ist es eine echt coole Ergänzung zu den bestehenden Ziggi-Routen geworden, v.a. da es sich um eine komplett eigenständige Linie handelt, die keinen einzigen Zug mit einer der beiden Nachbarstouren gemeinsam hat. Und die Moves sind schon richtig cool find ich! Aber probiert einfach selbst!


Update 26.9.2020:

Habe mir gleich heute ein Herz gefasst und bin am Vormittag noch schnell einbohren gegangen. D.h. die Route hat nun ein eigenes Top. Auch den letzten Bolt habe ich bereits ein wenig nach links versetzt, damit er in Stalker nicht stört. Auch die Fixschlingen sind mittlerweile installiert.
D.h. das Einzige was nun noch fehlt ist die Redundanz am Top (2. Bolt + Verbindung mittels Seilstück).
Kommt dann irgendwann im Laufe des verbliebenen Jahres. Aber Decision Time ist nun ganz normal kletterbar, also hab ich da jetzt nicht mehr so den Stress. Freue mich auf (viele) Wiederholungen!

Bisweilen hat die Route noch kein eigenes Top, weswegen man nach erreichen des Top-Holds einfach ins Seil springt! Der Tophold ist ein guter Seitgriff für links (diesen verwendet man im Baron-Einstieg als Schultergriff, bevor man in die letzen beiden Untergriff-Moves macht). Werde das Top aber demnächst bohren und auch noch den letzen Bolt etwas nach links versetzen, damit er in Stalker (hatte einen Tritt dahinter leider übersehen) nicht stört. Werde dann auch noch die  oberen beiden Bolts mit Fixexen versehen.


Wednesday, 29 July 2020

Zufallstour, V- MSL (Burgstall, Mixnitz) - Statusupdate 04/2021 (inkl. Topo)

Im Sommer vergangenen Jahres habe ich ganz zufällig eine kleine, feine MSL-Route am Burgstall entdeckt, als ich mich nach neuen Sportkletter-Erschließungsmöglichkeiten umsah, bzw. hatte ich schon vor längerem eine interessante Linie an der Folterkammer gesichtet und dann auch solo von unten einzubohren begonnen (2015).
Bereits nach zwei Bolts war damals aber wieder Schluss und danach war in diesem Bereich mehrere Jahre Stillstand. Normalerweise bohre ich meine Routen immer von oben ein, d.h. ich wandere um die Wand herum und seile mich dann von oben, von einem Baum oder dergleichen, ab und setze die Bolts.

In diesem Fall war es nicht ganz so einfach, denn der Pfeiler darüber (wo auch die Route Folterkammer hinauf führt), war auch von der Rückseite her nur durch klettern zu erreichen. Von ganz oben (Burgstall-Hochfläche) abseilend würde es andererseits recht umständlich und auch schwer werden, die richtige Stelle zu finden.
Links des Pfeilers zieht sich allerdings eine recht steile Erdrinne hoch, wobei von unten nicht klar war, ob diese eine Unterbrechung (inkl. Kletterei) hat, oder man vielleicht eh recht gut auf den Pfeiler hinaufkommen könnte. Auf den ersten Blick wirkte sie aber nicht sehr einladend und daher hatte ich diese Möglichkeit nie wirklich ernsthaft ins Auge gefasst und die oben beschriebene Route eben ad acta gelegt.

Letztes Jahr war ich aber mal wieder vor Ort und die Route sprach mich dermaßen an, dass ich einfach eine Lösung finden musste, um sie einbohren zu können.
Also wagte ich einen Erkundungsversuch in der erdigen Rinne. Tja, ausrutschen sollte man nicht, aber wirklich ausgesetzt war es auch nicht und von schwer zunächst sowieso keine Rede.
Plötzlich aber war der Weiterweg versperrt durch ein kleines Wandl. Darüber war eine kleine überdachte Nische. Von dieser müsste man dann wieder kletternd weitersteigen, aber zumindest ansehen wollte ich mir den möglichen Weiterweg noch. Das kleine Wandl, bzw. eigentlich ist's eine kleine Verschneidung, war schnell hinter mir (wohl so III herum). Die Nische war nett und an der linken Begrenzung könnte man in recht leichter Kletterei unter ein Dach hineinklettern. Die Neugierde war nun geweckt und trieb mich weiter. Solang alles leicht abzuklettern ist, war es auch kein Problem.
Das Dach entpuppte sich schließlich als Durchschlupf im Fels, dahinter ging es auf einen Absatz hinunter, den ich schon zuvor links von mir erkannt hatte, den direkt zu erreichen mir aber zu riskant erschienen war. Das wirklich witzige war aber eigentlich, dass es auf der anderen Seite des Durchschlupfes auf einem niedrigem Kriechband ebenfalls recht leicht weiterging und danach sah es nach Gehgelände aus. Also wiederum weiter!
Jetzt war es zwar ein wenig ausgesetzt dafür aber der Entdeckungstrieb in mir noch viel stärker geworden und bald turnte ich an ein paar Bäumen und deren Wurzeln um die Ecke und stand im nächsten Zwischenbereich (Gehgelände). Was für eine coole und vor allem außergewöhnliche Kletterstelle! A la Opplband (Predigtstuhl-Nordkante, Wilder Kaiser, Anm.) superlight. Kurze Zeit später stand ich in der Scharte darüber und war an meinem gewünschten Ziel. Von hier aus könnte ich auf der anderen Seite zu meinem Projekt abseilen.
Aber noch etwas dachte ich mir beim Abklettern....dass diese Stelle sich sehr gut in einer MSL machen würde, wenn man denn oben einen leichten Weiterweg finden würde. Das Gelände danach sah in dieser Hinsicht durchaus vielversprechend aus und so war der Plan fix. Hier musste eine MSL-Erstbegehung her!
Zunächst wohl nur mit mobilen Sicherungsmitteln, danach - wenn es was ordentliches wäre- könnte man die Route für die Wiederholer ja einbohren.

Ein paar Wochen später war es nicht allzu schwer Stefan von meinem Plan zu überzeugen und so zogen wir los. Ziel war es sich an den natürlichen Gegebenheiten zu orientieren und möglichst den leichtesten und damit logischten Weg durch diesen Wandteil zu erklettern.
Herausgekommen ist eine - wie ich finde - sehr nette, leichte MSL, die sich durchaus sehen lassen kann. 6 Seillängen mit zwei kurzen Zwischengehgeländen, wobei das hat man im GBL eh fast überall. Für Burgstall-Verhältnisse war das Ganze letztlich auch gar nicht so kurz. Coole Sache!

Ich will euch aber nicht weiter auf die Folter spannen; hab eh schon wieder deutlich mehr geschrieben als ich wollte, also hier anbei das Topo für die Abenteurer unter euch.
 Wieso Abenteurer?  Zum Einbohren bin ich bis dato (keine Bohrmaschine, keine Edelstahl-Bolts, verletzter Fuß) noch nicht gekommen. D.h. derzeit ist noch alles selbst abzusichern, also ausreichend Keile und Friends mitnehmen! Ich bin zuversichtlich, dass die Route im Herbst eingebohrt sein wird. Dann werde ich sie auch auf bergsteigen.at mit noch mehr Drumherum veröffentlichen.

Statusupdate 24.8.2020:
Die Route ist nun eingebohrt. In zwei Punkten musste ich meine Erinnerung allerdings ein wenig revidieren. Die Verschneidung der Schlüssel-SL ist leider doch recht verwachsen. Hier werde ich bei Gelegenheit doch einmal ein wenig drüberputzen. Außerdem würde ich sie nun auch etwas schwerer einschätzen (IV --> V- oder vielleicht auch V).
Zu guter Letzt auch noch der Hinweis, dass hin und wieder auch einmal etwas locker sein kann. Da würde ich dann - wie gesagt - noch drüberputzen. Aber beherzt anreissen sollte man in MSLs ja ohnehin nicht unbedingt. Einfach im Zweifelsfall ein wenig testen!
Im übrigen noch eine kurze Bemerkung: Als ich gestern die Begehung in mein Tourenbuch eintrug, fiel mein Blick auch auf den Eintrag zu unserer Erstbegehung und anders als ich es in Erinnerung hatte, sind wir die Route nicht letzten September oder gar Oktober geklettert, sondern just exakt vor 52 Wochen, sprich eben am selben Sonntag vor einem Jahr. Ein lustiger Zufall....passend zum Namen :)


Statusupdate 04/2021:

Habe in der Verschneidung noch 2 weitere Bolts gesetzt, sodass diese nun gut abgesichert ist. Außerdem habe ich die Verschneidung ordentlich hinuntergeputzt. Ist zwar auch weiterhin ein wenig dreckig, aber nun ganz gut zu klettern. Die schwerste Stelle der Verschneidung ist dadurch deutlich einfacher geworden. Würde sie nun (wieder) nicht schwieriger als V- einstufen.
Weiterhin Vorsicht (!) allerdings beim und nach dem (rechts) Ausqueren aus der Verschneidung. Hier sind einige "Bomber"-Blöcke an der Gratkante. Diese nicht verwenden bzw. in guter, alter Alpinmanier nur "streicheln" (d.h. praktisch nur fürs Gleichgewicht verwenden, aber nicht belasten). Diese schauen aber eh genauso locker aus wie sie sind. Ein halbwegs erfahrener (Alpin-)kletterer käme wohl eh nicht auf die Idee diese zu nehmen bzw. würde er sie sicherlich antesten.

Außerdem auch noch der Hinweis, dass ich im Zuge der neuen GBL-Führererstellung auch darauf hingewiesen wurde, dass sich auch am Ausstiegsgrat einige lose Blocke befinden. Ich bin die Route dann auch nochmal geklettert und konnte es letztlich nachvollziehen, denn wenn man nicht direkt an der Kante klettert, liegt tatsächlich er der eine oder andere lose Felsblock herum. Auch hier würde ich zwar nie auf die Idee kommen, diese als Griff zu verwenden, aber am besten ist es einfach in der letzten SL nach dem ersten Bolt so nah wie möglich an der Kante zu bleiben. Ist auch am Schönsten zu klettern.


Anbei noch kurz ein paar Infos:

  • Zustieg normal zum Burgstall und auf der Forststraße unter den Wänden nach links zum Folterkammer-Pfeiler und um die Ecke. Dort einige wenige Meter (20-30m) hinauf Richtung Folterkammer-Höhle (Bitter Lotos, Quasimodo, usw.)
  • Der Einstieg befindet sich etwas unterhalb (ca. 20m) der Route Quasimodo (VIII-) bei einer kleinen Felsbrücke (Klemmblock) über eine Rinne.
  • Die Stände sind nun mit zumindest je einem Bolt ausgestattet. Zwischensicherungen sind alle vorhanden
  • Material: 8 Express-Schlingen; zumindest eine kurze und eine lange Bandschlinge.
  • Abstieg wie gehabt rechts herum und dann halt nochmal ein paar Meter von der Forststraße zurück hinauf zum Einstieg.
  • Alpinen Charakter finde ich hat die Route nun keinen mehr. Lediglich ein gewisser alpiner Touch (Linienführung, Verschneidung, tlw. unsicherer Fels) bleibt zurück. Als Einsteigerroute würde ich sie aber dennoch keinesfalls bezeichnen!


Ungefährer Verlauf --> die Elipse markiert die Verschneidung der Crux-SL

Der Durchschlupf in der 1. SL

Start in die Schlüssel-SL --> ersichtlich ist die schwere Wandstelle

Schöne letzte SL am blockigen Grat


Have fun!

Saturday, 25 July 2020

Gedanken zum Bohrhaken

Im Zweifelsfall bin ich nicht dazu da, um mir möglichst viele Freunde zu machen, sondern um ggf. ehrlich meine Meinung kundzutun und zum sachlichen Diskurs anzuregen. So auch in diesem Fall.

Man kennt mich als ambitionierten Sportkletterer und hierbei sogar eher als ängstlichen Zeitgenossen. Umso mehr mögen die weiter unten folgenden Zeilen verwundern! Sie stammen aus einer bereits länger zurückliegenden Episode meines Kletter-Daseins, als ich noch eine ziemlich ausgeprägte Abneigung gegenüber dem Sportklettern hatte und den Bohrhaken als meinen erklärten Erzfeind betrachtete; als Untergang des heroischen Alpinismus und der Kletter-Pionierzeit!

Auf den ersten Blick mag es daher scheinen, als würde ich mich in Widersprüchen verstricken, als würde ich Wasser predigen und Wein trinken. Aber der Sachverhalt ist differenziert zu betrachten, Sportklettern und Alpinklettern auseinander zu dividieren und jede Spielform für sich zu betrachten. Was ich für das eine fordere, kann für das andere völlig bedeutungslos sein und umgekehrt!

Den Anstoß zu diesem Post hat mir die Lektüre des neuen Hochschwab-Kletterführers gegeben. Ein wirklich schönes Buch, gut aufgemacht und ich finde es auch toll, dass die Klettermöglichkeiten im Hochschwab endlich wieder einmal abgebildet werden.
Bei allem Hype der letzten Wochen sei aber auch ein wenig Kritik erlaubt, denn bei aller schöner Aufmachung hat er in einem Punkt meine persönlichen Erwartungen nicht erfüllt, nämlich dem informativen Gehalt, im Sinne der Erfassung möglichst aller Kletterrouten im Gebiet (war ehrlicherweise wahrscheinlich aber auch nie das Ziel).
Viele alte Routen wurden entweder nur als Linie im Wandfoto erwähnt, oder gleich ganz ausgelassen. Als prominente Beispiele seien hier etwa der "Riesenkamin" in der Höllmauer oder der historisch äußert bedeutungsvolle Anstieg über die Fölzstein Südostwand erwähnt. Dies ist an sich nicht weiter schlimm, handelt es sich doch um einen Auswahlführer. Auch in der Xeis-Auslese wurde erst zu einem späteren Zeitpunkt versucht, wieder eine vollständige Abbildung der Klettermöglichkeiten im Geiste einer "End-Bibel" vorzunehmen. D.h. was nicht ist kann ja noch werden und vielleicht schafft man es in einer späteren Auflage bei einem alten Rieder-Führer anzuknüpfen. Ich will damit auch keineswegs die Arbeit der Autoren schlecht machen, die so oder so ein beeindruckendes Werk geschaffen haben und deren Einsatz ich auch wegen meiner eigenen, deutlich weniger umfangreichen und aufwendigen Arbeiten zum neuen GBL-Kletterführer, für den ich nun auch schon ein 3/4 Jahr am werkeln bin, nachvollziehen kann.

Was mir aber abseits diese Kriteriums viel saurer aufstößt, ist der Umstand, dass einmal mehr einige (nach erstem Einblick) der aufgenommen alten "Klassiker" nicht ihren alten Stil beibehalten durften.
Sanierung da, Bohrhaken dort und schon wird aus einem alpinen Unterfangen eine weit weniger ernsthafte MSL (auch wenn nur die Standplätze saniert wurden!).

In den u.a. auch mit Beteiligung eines der Führerautoren ausgearbeiteten "Leitlinien zum Sanieren von Kletterrouten im Hochschwabgebiet (Juni 2014)" heißt es:

"2. Bei Sanierungen ist darauf zu achten, dass der Charakter der Route erhalten bleibt."
In dazugehörigen Unterpunkten wird dann näher darauf eingegangen was denn den Charakter einer Route verändern würde. Genannt wird das Entschärfen von zwingenden Stellen mit Bohrhaken und die Erhöhung der Hakenanzahl. Wenn es die Sicherheits-technischen Gegebenheiten erlauben, sollten alte A0-Haken im Zuge von Sanierungen sogar ersatzlos entfernt werden.

Alles sehr gute Ansätze, v.a. die grundsätzliche Aussage, dass der Charakter einer Route erhalten bleiben sollte! Ist es mit den genannten Unterpunkten aber wirklich getan? Wird der Charakter erst durch das Entschärfen von zwingenden Stellen geändert?
Der Schritt eine vollkommen BH-freie Route mit gebohrten Standplätzen zu versehen bedeutet gewiss eine Charakterveränderung und stellt dann viel weniger "scharfe" Anforderungen an ihre Wiederholer, als wenn jeder Stand selbst geschlagen, gebaut oder zumindest nachgebessert werden muss.
Der Schritt in der Charakterveränderung einer an den Standplätzen mit BH bestückten Route hin zu einer, wo nicht nur alle Standplätze sondern zusätzlich einige neuralgische Punkte mit Bolts versehen sind, ist dann schon ein deutlich geringerer. Je mehr Bolts stecken, desto weniger groß ist die Charakterveränderung wenn weitere Bolts hinzukommen.

Der erste Bolt bringt also grundsätzlich die größte Charakterveränderung einer Route mit sich.
Worauf ich hinaus will ist, dass ich die prinzipiell ja eh sehr zurückhaltende Herangehensweise bei Sanierungen, wie sie von den obigen Protagonisten ausgearbeitet wurde, für gut empfinde. Etwas stutzig macht mich allerdings, dass sie anscheinend die ungemein größerer Veränderung des Charakters einer Kletterroute nicht erkennen, die entsteht, wenn man gerade die Stände, als zentrales Sicherungselement, von Normalhaken udgl. auf BHs umstellt.
Die "Gefahr" besteht hierin, dass immer mehr Routen sanft mit Bohrhaken saniert werden, sich die nächste oder übernächste Klettergeneration in ihrem Denken aber wiederum weiter- oder zurückentwickelt (wie man's sieht) und im nächsten Schritt diesen Routen im Sinne einer Sanierung in Raten über die Jahre und Jahrzehnte hinweg immer mehr BHs hinzugefügt werden. Wäre man von Beginn weg ehrlich/streng geblieben, sehe es anders aus.

Außerdem entsteht durch die alleinige Abbildung, solcher zumindest sanft sanierter Routen, ein weiteres Dilemma, nämlich eben jenes, dass die wirklich alpinen Geschichten (weiterhin) unabgebildet bleiben und folglich auch der Stil solcher Routen immer weniger Beachtung findet.
Ich will jetzt nicht unterstellen, dass Routen auch deswegen saniert wurden, um sie überhaupt in den Führer aufnehmen zu "können". Sollte es aber doch so sein, wäre das ein weiterer Schritt in die falsche Richtung, da man dann Routen publikumsreif macht, anstatt sie in gegebenem Zustand einem reifen oder noch zu reifenden Publikum vorzustellen. (Anm. später: nach intensiverer Durchsicht muss ich fairerweise festhalten, dass sich auch die eine oder andere unabgesicherte oder eben klassisch nur mit Normalhaken versicherte Route finden lässt. Eine (bewusste) Auslassung solcher Routen hat also eindeutig nicht stattgefunden.)
Bezüglich der betroffenen Touren stellt sich für mich eben die Frage, wieso man diese nicht einfach im unsanierten Zustand aufgenommen hat? Für mich war es seinerzeit das Größte mit Hammer und Haken loszuziehen und alte Routen zu wiederholen, für die ich meine Kletterfähigkeiten als ausreichend empfand bzw. eigentlich wo ich mir sicher war, dass ich dafür gewappnet bin. Das ist ja gerade der springende Punkt mit den Alpinrouten. Andere waren eben noch außer meiner Reichweite; ein Rückzug wäre in vielen Fällen kaum möglich gewesen, obwohl ich zumindest immer zwei Ringhaken zum Abseilen dabei hatte. Eben aus dieser Gefahr heraus wollte und musste ich erst besser werden, um einen Einstieg wagen zu können.

Der Schwierigkeitsgrad spielt hierbei nur eine von vielen Rollen, das Gesamterlebnis/die Gesamtleistung zählt, sodass mir das Abstellen auf die reine Kletterleistung im Alpinklettern immer fremd erschien.
Du bist schon einen 7er oder 8er geklettert? Nicht schlecht. Ich eine alt bewertete IV+ ohne einen einzigen Bohrhaken. Was ist nun wirklich die imposantere Leistung?
Sich mit den damaligen Pionieren zu vergleichen, geht ohnehin nicht mehr. Alleine durch die Trainingsmöglichkeiten - ob in der Halle oder an den unzähligen Klettergärten und Plaisir-MSLs - und die moderne Ausrüstung ist das klettertechnische Level heutzutage von der Basis auf viel höher, sodass man bereits mit besseren Voraussetzungen zu den Routen kommt. Dann auch noch die Routen selbst zu "verbessern" ist doppelt "unfair".


Zu den Gedanken zum Bohrhaken selbst will ich allerdings mein altes Kletter-Ich sprechen lassen und die damaligen Überlegungen in ihrer ursprünglichen Form wiedergeben.
Auch heute noch, als Sportkletterer durch und durch, stehe ich voll und ganz hinter ihnen und verstehe eben nicht wieso man den Charakter alter Routen dermaßen verändern muss.
Den in einen überschaubaren Zeitraum nachfolgenden Klettergenerationen wird damit die Möglichkeit zum Abenteuer, zum Nachempfinden der damaligen Leistungen der Erstbegeher und das Erlebnis echten Alpinkletterns genommen. Betätigungsfeld mit Bohrhaken gäbe es auch abseits alter Routen genug (Neutouren) bzw. wurden ja schon zuvor einige oft begangene Klassiker unter ihnen saniert, wofür ich deutlich mehr Verständnis aufbringen kann (bspw. Hauseggerpfeiler, Baumgartnerweg, etc.).


Aber lassen wir mein altes ich sprechen:

2.5.2011 - Gedanken zum Bohraken (1):
"Die Leute argumentieren, dass es ihnen rein ums Klettern geht, also die Bewegung im Fels und nicht um das Abenteuer und das Gesamtpaket, welches eine Route zu bieten hat. Sie wollen keine Ängste ausstehen müssen, sie wollen einfach nur klettern.
Hierdurch wird das Klettern aber zum Sport alleine degradiert. Deshalb muss ich fragen: 'Wenn es wirklich nur ums Klettern als Sport geht, also um die Kletterbewegungen, warum muss ich dann alte Klassiker sanieren, wo ich doch dort nur genau dieselben typischen Kletterbewegungen vollführe wie sonst auch?'
Wenn es nur um die Bewegung und evtl. noch das Naturerlebnis geht, so gibt es wirklich genug Möglichkeiten dies an Bohrhakenrouten zu erleben und zu genießen.
Als Beispiel sei hier das gesamte Grazer Bergland genannt. Ist es aber doch so, dass manche Routen eine gewisse Aura umgibt, sie also einen besonderen Ruf haben und auch deshalb in Angriff genommen werden, so muss ich sagen, dass nicht die eigene Unsicherheit durch äußere Sicherheit ersetzt werden darf. Vielmehr ist es Pflicht eines jeden Kletterers sich den Anforderungen einer Tour anzupassen, also zu trainieren, Erfahrung zu sammeln, kurz besser zu werden und nicht umgekehrt die Route seinem eigenen Übungszustand anzupassen.
Dies würde nämlich schlussendlich dazu führen, dass absolut jede Route mit (Bohr-)Hakenabständen von 1-2 Meter eingebohrt werden müsste, um auch noch dem ungeübtesten Kletterer die Chance zu geben Touren zu wiederholen, für die er eigentlich (noch) zu schwach und unerfahren wäre, also üben müsste.
Man kommt nicht als Meister zur Welt und so liegt es im Ermessen eines jeden einzelnen, seine Routen/Ziele seinen individuellen Anforderungen entsprechend zu wählen und nicht alle Klettereien dieser Welt zu ein und demselben Einheitsbrei zu vermengen, wo schließlich die Gesamtanforderungen des Bergsteigens verloren gehen und das so vielfältige Klettern zum rein an der technischen Schwierigkeitsskala orientierten Sportklettern abgewertet wird.
Alpine Routen zu sanieren heißt ihnen ihren Charakter zu stehlen und nicht nur ihnen, sondern dem gesamten Alpinismus, der sich auch auf der Gefahr der Berge gründet.
Alpinismus ist nun einmal mit Risiko verbunden. Es derart zu minimieren, heißt den Alpinismus als solchen auszuhöhlen, ihn zu entkernen und seiner Werte zu berauben! Berg Heil!"

5.9.2011 - Gedanken zum Bohrhaken (2):

"Man soll nicht sichern um klettern zu können, sondern klettern und immer wieder gezwungenermaßen Sicherungen anbringen. Was ich damit meine ist, dass man keine Route gehen sollte, die man nur deshalb und dann klettern kann, weil/wenn viele Zwischensicherungen vorhanden sind, sondern man sollte eben klettern und hin und wieder eine taktische Sicherung setzen.
Man soll also nicht von Haken zu Haken klettern, sondern klettern und sich nach Felsstrukturen richten, wo Pausen einzulegen sind und Sicherungen gelegt werden."

5.9.2011 - Gedanken zum Bohrhaken (3):
"Solch wichtige Einstellungen wie jene zum Freiklettern, um nur das Beispiel zu nennen, zu welchem ich den Bezug herstellen will, müssen stets zeitlos bleiben.
Man darf nicht sagen: 'Kein normaler Mensch macht so etwas mehr!'
Nein, denn das heißt überhaupt nicht, dass es so besser oder gut ist. Es gibt ganze Jahrzehnte, wo ein Falschdenken herrschte, das als normal empfunden wurde.
Normal bedeutet aber nicht richtig, es bedeutet 'der Norm entsprechend.' So war es z.B. in den 1930er Jahren in Deutschland normal ein Nazi zu sein, was aber - und dies wird wohl niemand anzweifeln - keineswegs richtig war.
Wenn es heute als abnormal empfunden wird, nicht am Bohrhaken festzuhalten, also gegen gebohrte Sicherungen bzw. auch gegen jegliche Übersicherung überhaupt einzutreten, so heißt das noch lange nicht, dass dieses abnormale Denken auch falsch sein muss.
Ich denke, und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole kann ich trotzdem nicht genug darauf hinweisen, dass der Kern des Bergsteigens (Alpinismus) das Abenteuer ist.
Abenteuer bedeutet aber zu einem gar nicht geringen Teil auch Gefahr.
Gewisse objektive Gefahren kann man nicht ausschalten, andere sind selbstverschuldet und sollten nicht durch übermäßige Sicherung von außen ausgeschaltet werden, sondern durch eigene Übung und Erfahrung, nicht zuletzt auch durch Vorsicht, minimiert werden.
Bergsteigen heißt auch an überwundenen Gefahren wachsen; nicht Gefahren von vornherein auszuschalten. Ansonsten sollte man sich dem Wandern zuwenden, oder die bereits zur Genüge vorhandenen Bohrhakenrouten genießen, um die Berge zu erleben."

5.9.2011 - Gedanken zum Bohrhaken (4):
" 'Man muss mit der Zeit gehen! Bohrhaken sind heutzutage unerlässlich!'
Wohl kaum, weil wie gesagt die Einstellung zum bzw. die Philosophie des Kletterns und Bergsteigens zeitlos bleiben muss.
'Man muss mit der Zeit gehen?'
Glaubt denn wirklich jemand, dass auch wenn sich irgendwann die 'Zeiten' wieder ändern und man sich zum fairen Bergsteigen bekennt/besinnt, alle Bohrhaken wieder entfernt werden?
Glaubt denn wirklich irgendjemand, dass das Grazer Bergland jemals wieder bohrhakenfrei sein wird?
Ganz sicher nicht! Und es ist auch gut so, weil man auch nebeneinander existieren kann. Toleranz ist gefragt!
Dann wird dieser Konflikt zwischen klassischem Alpinismus und Sportklettern sicher ein Ende finden."


Ich finde es wie gesagt schade, dass einige alte Routen ihres Charakters beraubt wurden, viele andere dahingegen gar nicht beschrieben werden (z.B. auch Gschirrmauerkampl N-Wand). Besonders hart trifft mich insbesondere auch die Sanierung von Routen am Hofertalturm. Ich bin seinerzeit noch mit folgender Überlieferung "groß" geworden: "Ein echter Hochschwabkletterer bist du erst, wenn du am Hofertalturm gestanden bist!"
Dabei war es nicht die Schönheit der Route die mir gefiel, ehrlich gesagt war es die schlimmste Bruchpartie meiner Kletterkarriere, aber das Abenteuer auf dieser abgeschiedenen Felsnadel zu stehen, weit und breit kein Bolt, ganz auf sich allein gestellt, das war es was den besonderen Reiz ausmachte. Das Abseilen auf den beiden schwindligen alten Normalhaken + dem einen den ich noch für die Moral dazu geschlagen hatte, alles mehr schlecht als recht mit einem Reepschnürl zusammen gefädelt, den Puls im Stehen auf 180, mit zittrigen Händen (ich übertreibe nicht), Meter um Meter herunterzählend, den ich dem Boden näher kam, das war eines der bedeutendsten Abenteuer meiner Alpinkletter-Karriere und erfüllt mich noch heute mit Stolz.  Durch das Einrichten einer Abseilpiste wurde hier jetzt ein ganzes Gebiet entwertet. Dabei wurde die Anzahl sanierter alter Routen in den letzten Jahren stetig vorangetrieben (z.B. schon davor Güntherweg, St. Ilgner Weg).

Mit einem beherzten Telefonat - ich musste damals als junger, kleiner aber begeisterter Hochschwabkletterer allen Mut zusammenfassen - habe ich 2010 oder 2011 erfolgreich verhindert, dass der Stanglpfeiler eingebohrt/saniert wurde. Er stand noch auf meinem Plan und ich wollte dieses Abenteuer fair bestreiten, sobald ich bereit dazu wäre.
Dass ich mich dann Ende 2011 ganz dem Sportklettern widmen und letztlich sämtliche Alpin-Tapferkeit einbüßen würde, war zu dieser Zeit noch nicht absehbar. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich mich mit dem alten Charakter nicht mehr einsteigen trauen, wie ich es mich auch bis zu meinem Alpinkletterende nicht getraut hatte.
Auch diese Route ist nun der Sanierung zum Opfer gefallen. Ein Einstieg erscheint mir nun nicht mehr allzu herausfordernd und daher wenig lohnend!
Im Gegensatz zu früher, wo ich erst eingestiegen wäre, wenn ich mir meiner dafür benötigten Fähigkeiten zu 100% sicher gewesen wäre, stünde einem echten Abenteuer jetzt immer das "Im Notfall seil ich halt ab. Die Stände sind ja eh gebohrt!" entgegen.
Aber ich glaube ich fange an mich zu wiederholen und wer bis hierher meine Gedanken nicht nachvollziehen und goutieren konnte, den werde ich wohl auch mit weiteren Argumenten nicht mehr überzeugen.

Dennoch kurz noch ein letzter Gedankengang zur vermeintlich gewonnen Sicherheit iZm gebohrten Routen. Objektiv mag es durchaus sicherer sein, eine sanierte Route zu klettern. Gesamt gesehen, werden dabei aber immer und immer mehr Routen einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt, die im Durchschnitt immer weniger alpine Kenntnisse/Fertigkeiten aufweisen, sodass letztlich eher ein mehr an Gefahr generiert wird, schlichtweg durch die vermehrte Inanspruchnahme der geschaffenen Möglichkeiten. Ein Unfall in einer "echten" Alpinkletterroute führt an sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu deutlich ernsteren Verletzung bzw. zu einem schwerer zu behebenden Unfall. Dem steht allerdings die äußerst geringe Fallzahl gegenüber, da sich beinahe keiner in die Routen wagt. Im übrigen ist es auch kein Argument, dass man die BHs ja eh nicht verwenden muss. Im Notfall sind sie eben da. Daran ändert es auch nichts, wenn ich sie nur als letzten Ausweg sehe.

Abschließend bleibt die Frage:
Müssen wir unsere Fähigkeiten der auserkorenen Route anpassen, oder sollten wir zukünftig alle Routen dem Können des Durchschnittskletterers anpassen, um die Berge einem größeren, aber nicht besseren Publikum zugänglich zu machen?
Und wenn die Bohrhaken nicht reichen, kommt schlimmstenfalls halt der Heli, oder?